Julia Novacek

IPSAGON

„Ein transdisziplinäres Performancelabyrinth mit Texten aus Henrik Ibsens dramatischem Werk“

zu IPSAGON
Kollaboration ist ein evolutionäres Prinzip oder eine starre Tugend. Kollaboration soll mehr als die Summe ihrer Teile sein. Kollaboration erhält eine Gemeinschaft am Leben. Können wir uns darauf verlassen? Die Gänge durch das Labyrinth zeichnen potentielle Wege für die Entstehung kooperierender Gemeinschaften. Individuen stoßen auf offene und geschlossene Umstände, Gruppen, Sprachen, wenn sie die gemeinsame Entwicklung voranzutreiben versuchen. Sie werden aufgenommen oder zurückgewiesen und manchmal ist ihnen der Eintritt nicht geheuer. Wie hoch ist die individuelle Bereitschaft, sich dem Altbewährten unterzuordnen? Kann die soziale Architektur jedes Individuum aufnehmen? Jeder Raum im Labyrinth stellt beide Fragen: Wer ist ein_e rechtmäßige_r Außenseiter_in? Und: Passt du hinein?


Im dramatischen Werk von Henrik Ibsen, und inspiriert von Joachim Bauers Evolutionsbiologie, haben wir Konflikte nachverfolgt: Wir sehen wie Individuen leidenschaftlich an ihren Idealen festhalten, um soziale Fortschritte einzuleiten. Doch Fortschritt kann eine Gemeinschaft ebenso zerbrechen. Wir sehen Frauen, die von ihrer Gemeinde stark unterstützt werden. Doch nur, wenn sie die ihnen zugedachte Rolle akzeptieren. Kollaboration soll die Basis einer Gesellschaft sein. Doch was passiert, wenn sie unsere Freiheit beschädigt?


IPSAGON ist ein Labyrinth und ein Experiment. IPSAGON fragt nach der Fähigkeit des und der Einzelnen, gemeinsam mit anderen eine Gemeinschaft der Körper und der Ideale zu bilden. Die Besucher_innen entscheiden sich, den Anpassungsprozess von außen zu betrachten oder ihn aus erster Hand im Film, im philosophischen Gespräch, beim Spielen, Schauspielen, Hören, Essen oder durch eigene Intervention zu erleben. Sie kämpfen darin um Freiheit, mit oder gegeneinander. In IPSAGON gibt es nur dich, den anderen und eure Beobachter, um sich für oder gegen eine Gemeinschaft von Außenseitern zu entscheiden. Text: Henrike Kohpeiß

zur Videoinstallation
Video / live / Farbe
Die Decke des Filmraums ist durch eine Leinwand abgehängt. Die ZuschauerInnen müssen nach oben blicken, um den auf diese projizierten Film sehen zu können. Inhaltlich wie formal konzentriert sich die Installation auf Vorgänge, die kooperatives Verhalten behindern können und potentiell Aggression fördern. Dies ist neben den interpersonellen Machtbeziehungen der Figuren in Ibsens Stücken, einer der Kernpunkte.

© Joerg Frank (Header Image + 1., 2., 3., 5.), Wienne Christensen (4.)