Julia Novacek

DAS SPIEL VOM REDEN

DAS SPIEL VOM REDEN

Das politische, medial inszenierte Geständnis ist der zentrale Fokus der Videoarbeit. In den vergangenen Jahren kam es vermehrt zu Plagiatsvorwürfen gegen Politiker: in Deutschland wurde Karl-Thoedor zu Guttenberg nachgewiesen in seiner Diplomarbeit plagiiert zu haben. In den USA stand der Republikaner Herman Cain unter Verdacht sein Konzept für ein neues Steuersystem aus einem Computerspiel (Sim City) entnommen zu haben.
Auf diese Vorfälle folgen Rechtfertigungen und Geständnisse der PolitikerInnen. Das öffentliche Geständnis verlangt nach der höchsten Form der authentischen Selbstdarstellung. Wie werden politische Identitäten medial konstruiert? Plagiatsdebatten auf der einen Seite und die authentische Darstellung des Ichs befinden sich so in einem verworrenen Spannungsverhältnis.

DAS SPIEL VOM REDEN beschäftigt sich mit öffentlichen Geständnissen/ Entschuldigungen zu Plagiatsvorwürfen von Politikern welche von mir selbst reenactet werden. Im Setting einer Pressekonferenz performe und reenacte ich generierten Text aus diversen Polit-Entschuldigungsreden, ich entschuldige und rechtfertige mich für die Plagiate. Zwei Videokameras dokumentieren in einer one-take Einstellung die Rede und das Geschehen im Raum. Die eine Kamera kopiert die Bilder der anderen.

Mittels des Reenactments werden Entschuldigungsreden für das „Klauen“ fremder Texte „geklaut“ um „geklauten“ Text mit „geklauten“ Gesten zu performen.

Die Kameras beginnen aus der Rolle zu fallen. Sie machen Detailaufnahmen von meinen Gebärden, tasten den Raum und die JournalistInnen ab. Die Gemachtheit der Szenerie wird so einerseits thematisiert und ermöglicht, durch das negieren des klassischen Fernseh-Kamerablicks, subjektivierte Narrative.

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© Julia Novacek (Header Image + 1.-4.), www.presse-fotografie.at (5.+6.)