Julia Novacek

DAS SPIEL VOM REDEN (performance)

Im Rahmen der Ausstellungsreihe DEBATTERIE! Antagonismen aufführen entstand die performative Erweiterung der Videoistallation DAS SPIEL VOM REDEN. Öffentlichkeit und Privatheit kollidieren.

Im Rahmen des thealit Projekts DEBATTERIE! Antagonismen aufführen ist es genau die Fiktionalität der Trennung zwischen öffentlicher und privater Sphäre, die Julia Novacek in ihrer performativen Erweiterung der Videoinstallation angeht. Im kleinen Raum, der an die Installation angrenzt, befindet sich ein Prepaid-Handy und eine Wegbeschreibung.

In regelmäßigen Abständen ruft Julia Novacek aus ihrem Hotelzimmer auf dem Handy an, um die Gäste der Installation in einer Eins-zu-eins- Situation in ihr Hotelzimmer einzuladen. Im Zimmer India empfängt sie mich in Jogginghose – sie fragt, ob ich etwas trinken möchte – Kaffee, Tee, Wasser? Falls wir uns nichts zu sagen haben sollten, gibt es auch etwas zu tun: wir puzzeln. Tatsächlich ist es unmöglich auszumachen, als wer sie mich hier empfängt. Sie scheint keinem Score zu folgen, keine Rolle zu spielen – ich treffe gleichzeitig die plagiierende Politikerin privat, denn als diese ist mir ihr Gesicht nach der Pressekonferenz vertraut, als auch die Künstler*in Julia Novacek – vielleicht sogar Julia Novacek selbst. Nicht nur die Person und das Setting, in dem ich sie treffe, entziehen sich der zuvor in verschiedenen Konstellationen angerufenen Unterscheidung von öffentlicher und privater Person, insbesondere auch der Raum, in dem wir uns treffen, tut es. Ein Hotelzimmer, weniger anonym als andere Hotels, vereinzelt bestückt mit Julias Sachen. Sie wohnt hier nicht, aber sie wohnt hier auch nicht nicht. Neben der Tendenz zum Plagiieren ist es auch der semi-private temporäre Lebensraum des Hotelzimmers, den Künstler*innen und Politiker*innen teilen.

Hier wird die Oszillation zwischen privat und öffentlich anders spürbar: In der Videoinstallation dekonstruiert Novacek das Verwischen von Verantwortlichkeit, für die solche Ambivalenz z.B. in den Plagiatsaffären fungierte. Hier gibt mir die Ambivalenz ihrer Persona, die Ununterscheidbarkeit zwischen Performer*in/Politiker*in, Künstler*in und Privatmensch Novacek einen Anhaltspunkt, mithilfe dessen ich mich hier in diesem Hotelzimmer aufhalten kann. Es ist eine genuin politische Frage, mit welchem Grad an Sichtbarkeit die Grenze zwischen privat und öffentlich, zwischen Plagiat und Original, zwischen Installation und Hotelzimmer, aufgestellt und verwischt wird. Denn nur wo ein Spiel vom Reden, wie dieses hier, komplexe Positionierungen ermöglicht, anstatt sich selbst zu naturalisieren, kann es zum emanzipatorischen Diskurstool werden.
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