Julia Novacek

DOSTA,DOSTA (genug, genug) - ongoing project

Dosta, Dosta (genug, genug), ONGOING PROJECT

Trauerklage und Klagefrauen werden schnell mit dem antiken Griechenland asoziiert. Für die Übergänge Geburt und Tod waren überall auf der Welt Frauen zuständig. Aufgabe der Klagefrauen war es, der Trauer (der Anderen) öffentlich und physisch Ausdruck zu verleihen.1

Während sie klagt, hält sie die rechte Hand ans Herz und die linke an den Kopf. Sie wiegt ihren Körper behutsam hin und her.

Manche Frauen drückten in der Trauerklage Wut, Erfahrungen von Gewalt und Missbrauch, Kritik an den Angehörigen, sowie Autoritäten und am Patriarchat aus und verlautbarten dies öffentlich; zum Schutz manchmal verschlüsselt.2

Jede hatte ihr eigenes Klagelied. Um den Sarg herum stehend, hielten sich die Frauen an den Händen.

Die Mitglieder der feministisch-pazifistischen Bewegung „Frauen in Schwarz“ in Belgrad agieren seit den frühen 90er Jahren mit Symboliken von Beerdigungsritualen um gegen Krieg, Militarismus und Gewalt zu demonstrieren. Ihre Klage ist still. Der Horror des Krieges kann nicht verbalisiert werden.3

Sie stehen schwarz gekleidet auf öffentlichen Plätzen. Sie werden zu Monumenten. Sie werden zu Denkmälern. Klagen ist feministische Praxis.

Fotos Copyright: Bo Vloor

1 Ulrike Reimann, Trauern in Gemeinschaft, Synergia Verlag, 2016.

2 Gail Holst-Warhaft, The Cure for Passion: Grief And Its Political Uses, Harvard University Press, 2000.

3 Goran Lasin, Interview, Aktivist bei „Frauen in Schwaz“, Belgrad, 2019.