Julia Novacek

REISEMOBIL-STELLPLATZ/ 1230 WIEN

REISEMOBIL-STELLPLATZ/ 1230 WIEN unsichtbare Lenker (des Geschehens auf der Bühne)

"This is no way how to make a film, even a small film, I mean, to make one like this - it's impossible," sagt Terry Gilliam im Dokumentarfilm "Lost in La Mancha" (2002), der die Dreharbeiten zu seinem nie fertiggestellten Film "Don Quixote" begleitet.

Reisemobil-Stellplatz / 1230 Wien eröffnet mit einer Split-Screen-Sequenz: Zwei Männer und zwei Frauen finden sich auf einem fahrenden Boot wieder. Sie sind durch ihre Kostüme miteinander verknotet und versuchen, sich aus dieser Situation zu befreien. Nach wenigen Minuten kommt es zu einem formalen und inhaltlichen Bruch: Einem Schauspieler ist übel geworden, der Dreh muss abgebrochen werden. Ab hier setzt der dokumentarische Modus des restlichen Filmes ein.

Es sind die Dreharbeiten für einen Kunstfilm, auf einem Stellplatz in einem Wiener Aussenbezirk. Einen Green-Screen, eingeklemmt zwischen Wohnwägen und Catering-Tisch, ersetzt das Boot auf der Donau, wo die vier Akteure sich zu entknoten versuchen.

Die Notlösung wird zum Zustand. Die Augustsonne brennt. Technische Probleme, unzufriedene SchauspielerInnen, die wenig stringente Kommunikation und der unerbittliche Optimismus seitens der Regie, bringen die angespannte Stimmung am Set weiter zum aufkochen. Es kommt zu Missverständnissen, Streit und Schuldzuweisungen zwischen den Beteiligten - vor und hinter der Kamera. Die Aussichten, den Film je fertig zu stellen, schwinden.

Der Film zeigt eine Substanz, die jedem Arbeitsprozess innewohnt: Das Potenzial des Scheiterns als produktives Moment.